
Ernährung umstellen: So kommen Sie in die Umsetzung!
9. Januar 2024
Ernährung umstellen: So kommen Sie in die Umsetzung!
9. Januar 2024
Was ist Ernährungstherapie?
Ein Blick hinter die Kulissen
Überarbeitet am: 06.01.2026
Seit 17 Jahren begleite ich Menschen in meiner Praxis auf ihrem Weg zu mehr Wohlbefinden. In dieser Zeit habe ich oft erlebt, dass der Begriff "Ernährungstherapie" Fragen aufwirft. Viele Menschen verbinden Ernährungsthemen zunächst mit Diäten, Trends oder „Tipps für gesunde Ernährung“. Ernährungstherapie ist jedoch etwas ganz anderes: sie ist ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung — und kann bei vielen Erkrankungen einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheit leisten. In diesem Beitrag möchte ich meine langjährige Erfahrung als Ökotrophologin nutzen, um mit Mythen aufzuräumen und dir zu zeigen, wie professionelle Therapie Hand in Hand mit moderner Medizin arbeitet.
Ernährungstherapie ist Teil der medizinischen Behandlung
Vielleicht fragst du dich: Für wen ist Ernährungstherapie eigentlich gedacht?
Ernährungstherapie richtet sich an Menschen, die bereits eine medizinisch relevante Diagnose haben. Das können zum Beispiel folgende sein:
- Diabetes oder Prädiabetes
- Fettleber
- Magen-Darm-Erkrankungen wie Reizdarm, Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn
- Essstörungen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten
- Mehrgewicht oder Geringgewicht mit Gesundheitsbezug
- onkologische Erkrankungen
In all diesen Fällen spielt Ernährung eine Rolle. Es geht jedoch nicht darum, „ein bisschen gesünder zu essen“ — sondern darum, Ernährung gezielt als Baustein der Therapie einzusetzen.
Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein
Ernährungstherapie ist immer individuell
Kein Mensch isst gleich. Kein Krankheitsverlauf ist identisch.
Jeder Mensch bringt eine eigene Geschichte mit: Lebensumstände, Erfahrungen, Vorlieben, Ängste, Gewohnheiten, Stresslevel, Medikamente, Symptome. Essen ist niemals nur reine Nährstoffzufuhr – es ist sehr persönlich. Deshalb gibt es in der Ernährungstherapie keine Standard-Lösung.
Wichtige Fragen, die ich dir in der ersten Beratung stelle, sind zum Beispiel:
- Welche Beschwerden hast du?
- Welche Medikamente nimmst du ein?
- Wie sieht dein Alltag aus?
- Welche Erfahrungen hast du bereits mit dem Thema Ernährung?
- Welche Rolle spielen Stress oder Emotionen bei dir?
- Wie ist dein Essverhalten entstanden?
Erst daraus entsteht ein individueller Ansatz, der zu dir passt — und nicht umgekehrt.
Ernährungstherapie ≠ Diätanleitung
Ernährungstherapie bedeutet nicht: „Hier ist dein Plan – bitte halte dich daran!“
Von mir bekommst du keine starren Pläne, Verbotslisten oder strenge Regeln.
Vielmehr geht es darum:
- Essen wieder zu entspannen
- Sicherheit im Umgang mit Lebensmitteln und Speisen zu gewinnen
- Symptome und Laborwerte besser zu verstehen
- Strategien zu entwickeln, die im Alltag funktionieren
Und ja — Genuss darf und soll dazugehören!
Das Ziel ist nicht Perfektion, sondern Entlastung und Orientierung. Du sollst am Ende besser verstehen, was in deinem Körper passiert – und wie du damit umgehen kannst.
Ernährungstherapie unterscheidet sich von Ernährungsberatung
Beide Begriffe werden im Alltag oft durcheinandergebracht. Der Unterschied ist aber wichtig.
Ernährungsberatung richtet sich an gesunde Menschen, die ihren Lebensstil verbessern möchten – zum Beispiel ausgewogener essen oder neue Gewohnheiten aufbauen.
Ernährungstherapie dagegen gehört in den medizinischen Kontext. Sie wird ärztlich verordnet und begleitet dich im Umgang mit deiner Diagnose. Hier geht es nicht um Lifestyle-Optimierung, sondern um die Linderung von Beschwerden, die Vermeidung von Komplikationen und die Unterstützung des gesamten Heilungsprozesses.
Beide Bereiche dürfen und sollen qualifiziert durchgeführt werden. Doch Ernährungstherapie erfordert eine besonders fundierte Ausbildung und ein gutes Verständnis für Krankheitsbilder, Diagnostik und Zusammenhänge.
Eine Ernährungtherapie kann
- das Wohlbefinden und die Lebensqualität steigern.
- zu einer deutlichen Linderung von Symptomen bis hin zur Symptom-Freiheit führen.
- dabei helfen, Medikamente zu reduzieren oder zu vermeiden.
- das Risiko von Folgeerkrankungen und Komplikationen verringern.
Warum Ernährung so wirksam sein kann
Ernährung beeinflusst Stoffwechsel, Verdauung, Hormone, Immunsystem und sogar die Psyche. Darum kann sie Beschwerden lindern, Verläufe positiv beeinflussen oder Komplikationen vorbeugen. Manchmal hilft sie, Symptome zu beruhigen. Manchmal stabilisiert sie einen Zustand. Manchmal schafft sie Erleichterung im Alltag.
Und oft passiert noch etwas anderes:
Menschen erleben wieder Selbstwirksamkeit. Nicht nur „behandelt werden“, sondern selbst aktiv etwas beitragen – im eigenen Tempo, mit Rücksicht auf das Leben, das da ist.
Begleitung statt Druck
Viele Menschen kommen in die Therapie mit einem Rucksack voller Erfahrungen: Verunsicherung, Diäten, Regeln, Schuldgefühle, der Gedanke „Ich schaffe das ja doch nicht“. In einer guten Ernährungstherapie geht es nicht darum, dich zu bewerten oder zu kontrollieren. Sondern darum, dich zu verstehen und zu unterstützen.
Du darfst scheitern.
Du darfst zweifeln.
Du darfst langsame Schritte gehen.
Veränderung funktioniert am besten, wenn sie freundlich mit dir selbst beginnt.
Meine Erfahrungen nach vielen Jahren Praxis
Was ich immer wieder sehe:
Ernährungstherapie wirkt dann am stärksten, wenn du dich gesehen fühlst. Wenn deine Geschichte Platz hat. Wenn klar ist: Dein Körper ist kein Gegner, sondern ein System, das versucht, dich zu schützen – manchmal auf ungünstigen Wegen.
Dann kann Ernährung nicht nur medizinisch hilfreich sein, sondern auch innere Ruhe bringen.

